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Frauen in der Kreativwirtschaft

Frauen in der Kreativwirtschaft

Erfahrungsbericht einer Berufsfinderin

Ein Hörsaal, eine Einführungsvorlesung im Fach Kommunikationswissenschaft: gefühlt 95 % Frauen, vereinzelt ein paar männliche Köpfe: Mein Studiengang ist absolut dominiert von Frauen, männliche Kommilitonen fallen überall sofort auf und sind in jedem Seminar schon fast so etwas wie ein Highlight. Doch obwohl das Studium der Kommunikationswissenschaft so stark von Frauen geprägt ist, zumindest hier in Münster, heißt das nicht automatisch, dass Frauen auch das Berufsleben nach dem Studium dominieren, insbesondere in kreativen Berufen. Obwohl zum Beispiel in Agenturen der Frauenanteil durchaus hoch zu sein scheint, (diese Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sich durch die Team-Seiten mittelständischer Agenturen klickt), bestehen die Führungsetagen doch zum größten Teil aus Männern. Laut einer Trendstudie von Filestage zu Frauen in der Kreativbranche (2016) behaupten sich lediglich 21 % der Frauen in der Geschäftsführung.

Natürlich kann man sich so etwas vor Beginn des Studiums und ohne entsprechende berufliche Erfahrung als junge Frau schwer vorstellen, aber ich habe insgesamt eher die Erfahrung gemacht, dass sich Frauen automatisch in Positionen der Assistenz oder Beraterin einordnen, statt sich auch für eine höhere Position befähigt zu sehen – vor allem in kreativen Berufen.
Vielleicht liegt das daran, dass wir unser eigenes Potenzial in jüngeren Jahren noch nicht ganz einschätzen können und nicht wissen, wie viel die eigene Arbeit im Endeffekt wert ist.

Zwischen Selbstkritik und Selbstbewusstsein

Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass meine Zweifel selten berechtigt waren und meine Leistungen im Beruf im Rahmen von Praktika und auch im Studium meistens besser ankamen, als ich es erwartet hatte. Man muss vermutlich erst lernen, den Wert seiner eigenen Leistungen zu erkennen. Was einem dabei allerdings nicht hilft, sind Selbstzweifel. Die führen nur dazu, dass man sich selbst im Weg steht und blockieren kreatives Potenzial, das doch entdeckt werden will!
Auch Selbstkritik kann zu Blockaden führen, und die beobachte ich viel häufiger bei Frauen als bei Männern. Klar, die Fähigkeit zur Selbstkritik kann wertvoll sein und sollte auch ab und zu mal Anwendung finden, aber man sollte sich nicht davon ausbremsen lassen, vor allem, wenn es um die eigenen kreativen Leistungen geht.

Der zahnlose Tiger 

Wenn es früher noch so war, dass die meisten Absolventen in den Journalismus eingestiegen sind, (unser Lehrstuhl hieß früher schließlich Institut für Publizistik), geht der Trend heute eindeutig in Richtung Öffentlichkeitsarbeit. 77 % der Absolventen der Kommunikationswissenschaft betätigen sich nach dem Abschluss beruflich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, im Journalismus sind es nur noch 58 %. Hier hat also ein deutlicher Wandel stattgefunden. Marketing und Werbung befinden sich auf der Beliebtheitsskala direkt nach der Öffentlichkeitsarbeit.

Im Studium fühlt man sich als Frau zwar definitiv nicht unterrepräsentiert, ganz im Gegenteil, doch aus Berichten meiner Kommilitonen ist vor allem der Journalismus eine stark männlich nachgefragte  Branche.  Ob Radio oder Zeitung: In den Redaktionen sitzen vorwiegend Männer, die das Klischee eines klassischen Journalisten erfüllen. Diese Tatsache war für mich von Beginn des Studiums an sehr präsent, und obwohl ich mich damals für das Studium entschieden habe, weil mich journalistische Arbeit interessiert hat, hat im Laufe der ersten Monate eine deutliche Abkehr vom Journalismus stattgefunden – ob das unterbewusst dadurch begründet war? Ich weiß es nicht.

Hören und gehört werden

Den Weg in den richtigen kreativen Beruf zu finden, ist gar nicht so einfach, aber wenn man ein wenig auf sein Bauchgefühl hört und einen Job findet, mit dem man sich gut identifizieren kann, kommen Energie und Kreativität fast wie von selbst. Kreativ zu arbeiten hat daher für mich persönlich auch viel mit Identifikation und natürlich mit Leidenschaft zu tun, und damit geht auch ein gewisses Selbstbewusstsein einher.

Man muss Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben, was sich dann auch nachhaltig auf jegliche Arbeitsbeziehungen auswirkt und wovon alle profitieren können. Wenn man sich seiner Stärken und Schwächen sowie der eigenen Wirkung auf andere bewusst ist, kann man sich besser auf verschiedene Umstände und Kollegen einstellen. Manchmal ist Zuhören gefragt, in anderen Situationen muss man sich auch mal durchsetzen und seine eigene Meinung einbringen. Nur Mut!

Lorena Eiland, Praktikantin für Text und Konzeption, BA Kommunikationswissenschaft
Münster 22.03.2021